Zeugnisse, Erfahrungen, Erlebnisse von ehemaligen Volontären

Irmela Kämpfer, Oktober 2009 - März 2010

Noch habe ich fast eine ganze Woche hier in Uganda bei „Vision for Africa Intl.“, danach heißt es leider (erstmal) Abschied nehmen. Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, kann ich nur sagen, dass es für mich genau die richtige Entscheidung war, nach meinem Abitur für (fast) ein halbes Jahr hierher zu kommen! Ich staune mal wieder darüber, wie gut und perfekt Gottes Pläne für uns sind!

Doch zunächst zurück zum Anfang…

Bevor ich hier nach Uganda kam, war ich wie die allermeisten Volontäre, die zum „Land of Hope“ kommen, ca. einen Monat in Imst im „Haus des Lebens“ und habe dort meine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt. Schon die Zeit dort war für mich echt überwältigend, ich durfte so viele gute Erfahrungen machen, habe mich an mehreren Stellen mit meinem Glauben und auch meiner Persönlichkeit auseinandersetzen müssen und kann insgesamt nur sagen, dass ich es eine wunderbare Sache finde, dass die Volontäre erst einige Zeit dort verbringen sollen!!! Natürlich hat man auch schon einiges über die Arbeit von Vision hier in Uganda mitbekommen, sodass meine Vorfreude auf die Zeit hier noch gestiegen ist…und man lernt auch schon den einen oder anderen Volontär kennen, den man dann in Uganda wieder treffen wird, was natürlich auch super ist, denn so kann man schon richtig gute Freundschaften schließen, die man dann in Uganda vertiefen kann ( gell, Anne und Dana ;-) ).

Danach war ich noch mal paar Wochen zuhause, um die letzten Vorbereitungen zu treffen, bevor es dann los ging zur Perle Afrikas :-). Ja, und was dann folgte, waren 6 wundervolle Monate hier auf dem Land of Hope…Uganda an sich ist schon wunderschön, ich könnte stundenlang nur durch die Landschaft fahren oder tausende Fotos machen. Wohin man blickt, grünt und blüht es und die rote Erde dazu ist einfach etwas ganz Besonderes. Was ich noch ganz besonders liebe, ist der Himmel, sowohl nachts als auch tagsüber. So viele Sterne wie hier habe ich noch nie gesehen und auch die Sonnenaufgänge sind manchmal wirklich einzigartig. Was ich zuhause auch mehr als vermissen werde, sind die vielen Früchte, die man hier für wenig Geld auf dem Markt kaufen kann…Mangos, Ananas, Orangen, Passionsfrucht, Papaya,...!

Irmela 3Die Menschen hier sind zum Großteil sehr offen, freundlich und herzlich. Wir als Europäer müssen uns allerdings schon erst mal dran gewöhnen, dass man quasi von jedem, den man trifft, angesprochen wird („Hello, how are you?“). Besonders in Kampala hat es mich immer wieder überrascht, wie einfach man hier mit Leuten, die man gar nicht kennt, richtig gute Gespräche haben kann. Einmal waren wir zum Beispiel in einem Fotoshop und es hat sich dann im Gespräch rausgestellt, dass die Verkäuferin auch „born again“ ist…ich denke, wenn ich jetzt zurück gehe, wird mir in Deutschland die Unpersönlichkeit und manchmal auch Kaltherzigkeit des Großteils der Leute dort ziemlich auffallen. Eine andere Sache, die ich hier mehrmals erfahren durfte und die mich sehr beeindruckt hat, ist die Gastfreundschaft und die Bereitschaft zu teilen.

Neben diesen sehr positiven Erlebnissen gibt es natürlich auch paar Sachen, an die man sich erst mal gewöhnen muss und die manchmal gar nicht so einfach zu akzeptieren sind. Eine Sache, bei der ich mich wirklich immer wieder in Geduld üben musste, ist zum Beispiel die Einstellung zur Zeit und zur Verbindlichkeit. Der Satz „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit“ stimmt nämlich wirklich und ich musste leider mehrmals erleben, dass Leute dich versetzen oder einfach mal paar Stunden später kommen als vereinbart und sich insgesamt leider nicht immer an Absprachen halten. Ich denke jedoch für mich war das vielleicht gar nicht so schlecht, denn so kann man wirklich Geduld und Spontanität lernen :-) ! Weiterhin fand ich es nicht einfach, damit umzugehen, wenn man von Leuten nach Sachen gefragt wird, besonders nach Geld, weil bei mir manchmal schon der Eindruck entstand, dass man nicht wirklich befreundet ist, sondern eher ausgenutzt wird. Einerseits möchte man ja gerne helfen und geben, aber man muss hier auch echt aufpassen, dass einem nicht der Arm abgerissen wird, wenn man den kleinen Finger gibt…

Irmela 2Insgesamt hat man hier die Möglichkeit in vielen Bereichen zu wachsen und dazu zu lernen, sei es in der Hausarbeit (Waschen von Hand zum Beispiel ;-), im Umgang mit Kindern, im Zusammenleben mit den anderen Volontären und auch Afrikanern, in Englisch natürlich und auch in seiner eigenen Persönlichkeit!
Was mir auch sehr gefallen hat, ist die Vielseitigkeit der Arbeit. Ich habe die meiste Zeit in den Waisenhäusern gearbeitet, aber selbst dort ist es eigentlich sehr abwechslungsreich, weil wir ja mittlerweile jeder in alle Häuser gehen. Am Anfang meiner Zeit war es nämlich noch so, dass jeder „sein“ Haus hatte. Das war natürlich auch sehr schön, denn so haben wir alle eine ganz besondere Beziehung zu einem der Häuser, aber manchmal war es dann von der Arbeit doch etwas einseitig. Deshalb und auch weil man so alle Kinder und Mütter richtig kennen lernen kann, finde ich die Regelung mit dem Hauswechsel sehr sinnvoll und gut. Die Arbeit in den Häusern macht viel Spaß, die Kinder können natürlich auch mal recht anstrengend und nerven kostend sein, aber insgesamt kann man sie einfach nur lieben! Ansonsten konnte ich mich noch im Sponsorship Office, bei Inge im Store, im Garten und in der Küche betätigen, was auch immer eine sehr gute Abwechslung zur Arbeit in den Kinderhäusern war.

An freien Tagen kann man hier auch einige schöne Unternehmungen machen wie zum Beispiel nach Kampala, Jinja (Mädels, ihr müsst dort unbedingt auf den Kleidermarkt shoppen gehen! ;-) oder auch Mukono fahren oder eine Buschwanderung unternehmen. Ganz besonders gut haben mir auch immer die Voli-Tage gefallen, ob wir nun am Strand in Entebbe waren (und uns einen Sonnebrand geholt haben ;-), im botanischen Garten oder bei den Nilfällen waren.
Wir hatten außerdem noch das besondere Glück, dass wir auch von unserer Wohnsituation viel Abwechslung hatten. Ich habe hier in meinen 6 Monaten an 3 verschiedenen Orten gewohnt! Zunächst haben wir nämlich als Mädels in einem 5er-Zimmer neben 18 Hotelfachschülerinnen gewohnt, was auch ein besonderer Segen war, denn so konnten wir richtig mit Afrikanern zusammenleben und das Leben teilen. Später sind wir dann für einen Monat in eins der beiden neuen, noch nicht bezogenen Kinderhäuser gezogen und hatten quasi eine Luxus-WG mit 2er-Zimmern, warmer Dusche, Kühlschrank und Wohnzimmer. Danach ging es erst mal noch für eine Woche in unser altes Zuhause zurück, bevor dann entschieden wurde, dass wir doch wieder im Volontärshaus wohnen sollen, um auch einfach näher bei den Kinderhäusern zu sein…ja und hier leben wir jetzt seit ca. 2 Monaten. Ich kann gar nicht wirklich sagen, was ich am besten finde, für mich war diese Abwechslung und Vielseitigkeit einfach perfekt!

Ich denke, ich könnte noch seitenweise weiter schreiben und könnte noch soo vieles erzählen, was mich bewegt und was ich von meiner Zeit hier mit nach Hause nehme, auf Grund des Platzes jedoch werde ich jetzt hier einen Punkt machen :-). Kommt einfach her und schaut es auch selber an!!! :-)

Irmela Kämpfer

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